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Stillstand durch unklare Rollenverteilung

Stillstand!

Was kann es schöneres geben!

Der Druck geht raus, das Tempo entschleunigt sich. Alles kommt zur Ruhe. Die Räder des beruflichen Wahnsinns stehen still.

Was sind die Ursachen des Stillstands? Kommen diese von Außen oder von Innen? Oder ist genau das unklar?

Im Beruf sorgt Stillstand für eine neue Rollenverteilung. Die Rolle, die ich bisher ausgefüllt habe, ist in Frage gestellt. So viel ist klar. Vielleicht gibt es sie sogar nicht mehr.

Doch worin bestanden die Unklarheiten? War es der zeitliche Rahmen? Die Unkenntnis der genauen Ziele? Lag es an den Ressourcen Material, Maschine, Geld und Menschen?

Oder bestand die Unklarheit in der eigenen Selbstwahrnehmung und Fehleinschätzung, z. B. der eigenen körperlichen Belastbarkeit. Oder der eigenen Kommunikationsfähigkeit. Betriebsblindheit, Beratungsresistenz und Selbstüberschätzung sind Attribute, die unschön klingen und noch unschöner wirken, sollten wir diese von anderen zu hören bekommen. Oh Mensch, erkenne dich selbst!

Sind die Unklarheiten im Außen Spiegelbild meiner eigenen, inneren Unklarheit?

Wenn meine Rolle im Leben durch Unklarheiten zum Stillstand gezwungen wird, freut sich auf jeden Fall der eigene Körper. Er sieht die Chance zur Regeneration. Gerade in diesen Tagen wurde in der Presse thematisiert, dass der Stilstand in der ägyptischen Tourismusbranche zu einer deutlichen Regeneration der Riffe und der Fauna geführt haben. Die Natur hat ihre Chancen ergriffen.

Aber auch die Seele wittert ihre Chance. Sie darf sich neu besinnen und freut sich, denn Klarheit im Denken und Fühlen führt auch zu einer neuen Klarheit im Handeln. Eine neue Orientierung sorgt für eine neue Bewegung und damit einer Vielzahl an Optionen in meinem Leben. Eine neue, bessere Dynamik ist entstanden. Denn Orientierung, die aus Klarheit resultiert, beinhaltet alles, was als Wegzehrung benötigt wird. Einzig unsere Angst vor Veränderung kann diesen Prozess unterlaufen.

 

Stillstand! Was kann es Übleres geben! Der Alptraum unternehmerischen Denkens und Handelns. Was, wenn die Ziele noch nicht erreicht wurden? Was, wenn der Stillstand Chaos und Verlust an vielen Stellen gleichzeitig nach sich zieht?

Dieser Stillstand definiert ganz klar die Rollen: Täter und Opfer. Schuldig und unschuldig.

Es mögen äußere, unglückliche Umstände sein, Naturkatastrophen von solchem Ausmaß, dass die Karten im Spiel des Lebens von einem Moment auf den anderen global neu gemischt werden. Oder andere Umwälzungen, politische Systeme die stürzen,- kurzum, die Liste der Ereignisse, die sich global auswirken ist länger geworden, das Tempo hat sich erhöht. Und immer bin ich dann das Opfer der Umstände. Schicksalsschläge! Wie kann das sein? Wo ist Gott?

Noch schlimmer als Naturkatastrophen oder Schicksalsschläge als Gründe für Stillstand werden von uns allerdings solche betrachtet, die auf die Unfähigkeit von Menschen zurückgeführt werden. Am schlimmsten sind solche aus unserem unmittelbaren Umkreis: Partner, Familie, Chefs, Vorgesetzte, Mitarbeiter. Kunden, Lieferanten, Dienstleister. Kurzum: alle Anderen!

Andere Menschen erfüllen ihre berufliche Rolle nur unvollkommen. Sie sind defizitär. Sie sind Gründe für Stillstand, die schwer zu ertragen sind. Ihre Unklarheit wird als Ausdruck ihrer eigenen Verworrenheit angesehen.

Aber egal ob Mitarbeiter, Vorgesetzte oder Chefs,- alle beklagen als ihren größten Feind die Unklarheit. In den Zielen, in den Rollen, in der Verbindlichkeit, egal wo auch immer. Mangelnde Klarheit ist der Teufel.

Jede Rolle definiert Zuständigkeiten, so wie jede Zuständigkeit nach den entsprechenden Kompetenzen verlangt.

Jede Rolle verlangt aber auch nach Zielen, denn diese geben uns Richtung und Orientierung. Und zwar nach solchen Zielen, die motivierend wirken. Natürlich ist das Individuum hier Maßstab. Was den einen motiviert, antreibt und beglückt, lässt den anderen frustriert, enttäuscht oder vor Angst gelähmt zurück.

Wie gut, dass es Menschenkenner gibt. (Und diese auch genau da zu finden sind, wo man sie benötigt: in der Personalentwicklung).

Wie gut, dass wir uns für unsere beruflichen Rollen mitsamt deren Zielen, Zuständigkeiten und Kompetenzen selbst entscheiden können. Und zwar jederzeit. Das wird auch nicht dadurch entkräftet, dass wir uns gelegentlich selbst in einen Kokon von Abhängigkeiten, in unseren privaten genauso wie in unseren beruflichen Rollen eingesponnen haben, so dass wir Mühe haben, nachzuvollziehen, wie das alles so hat kommen können. Opfer der eigenen Umstände bzw. Zustände. Nobody is perfect.

Wenn unsere Handlungsspielräume sprich Freiheiten sich auf ein Minimum reduziert haben, ist es umso dringender, uns wieder etwas Luft zu verschaffen. Tempo und Druck heraus zu nehmen. Den Radius unserer Freiheiten wieder zu erweitern.

Urlaub ist die bekannteste, vielleicht auch die verkannteste Form von Stillstand für unsere berufliche Rolle. Spätestens wenn wir wieder dorthin zurückkehren, wird sich zeigen, ob wir aus dem „Stillstand der Arbeit“ genügend Eindrücke, Ressourcen, Kräfte, Inspiration und Lebensfreude gezogen haben, um den Fokus wieder auf den Beruf zu legen.

Die Vorfreude darauf ist immer dann besonders stark und tragfähig, wenn wir Klarheit haben über das, was uns dann erwartet. Es mag dabei viele unbekannte Größen geben, manche Unwägbarkeiten, zum Beispiel bei einem Neubeginn, einer neuen Position, doch wenn wir die Rolle kennen, die wir dabei „spielen“ dürfen und wollen, dann ist das genau der tragfähige Grund, den wir als das Minimum benötigen, um Erfolg mit Erfüllung zu verknüpfen.

Klarheit unserer eigenen Rolle im Beruf zeitigt ein starkes Selbstverständnis und Selbstbewusstsein, dass uns meisterhaft mit der wechselnden Dynamik unseres Arbeitsalltages umgehen lässt. Unklarheit wirkt demotivierend, drosselt das richtige Tempo und führt zu einer Art von Stillstand, den niemand gewollt hat.

Gott sei Dank haben wir immer uns!