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Die Angst des Managers vor Esoterik

Beginnen wir einmal damit zwei unbestritten bedeutende Menschen des deutschen Geisteslebens zu zitieren, die wohl kaum im Ruf stehen, irgendwie esoterisch-verwirrtes Gedankengut in die Welt posaunt zu haben. Friedrich Schiller als der zuerst Geborene darf den Anfang machen mit seiner berühmt-berüchtigten Feststellung:

„Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.”

Das wiederum inspirierte wohl Hermann Hesse zu seinem Magister Ludum im „Glasperlenspiel“. Der „Magister Ludum“ ist der Meister des Spiels. Was für ein Titel!

Einige Jahrzehnte später inspiriert es nur noch findige Unternehmer zu einem flächendeckenden Netz an Spielhallen.

Organisationsentwicklung im Leben

Das Spiel des Lebens folgt auch klaren Regeln und Gesetzen. Allerdings nicht simpel linear, sondern rhythmisch und voller Metamorphosen. Eben lebendig . Wer diese Spielregeln kennt, respektiert und beherrscht, ist im Vorteil,- er gestaltet das Spiel. Er gestaltet den Verlauf,- den Prozess und ist mit dem Ergebnis identisch. Er entfaltet sein schöpferisches Potential bewusst.

Changemanagement mit Seitenwechsel

Was geschieht, wenn nicht wir das Leben gestalten, sondern wir vom unbewussten Leben gestaltet werden, mag uns ein bekanntes Beispiel aus dem Sport zeigen.

Im Fußball werden nach einer Halbzeit die Seiten gewechselt, damit es gerecht zugeht. Genau so sollten auch wir in der Halbzeit des Lebens,- und das Leben bietet uns permanent unendlich viele Halbzeiten,- unbedingt die Perspektiven wechseln. Tun wir das nicht, dann schießen wir nur noch Eigentore,- nennen diese dann Midlife-Krisis, ein Burn- oder Boreout. Oder wir laufen aus Unkenntnis andauernd ins Abseits, in den Misserfolg. Die Pleite. Wir kämpfen und rennen immer wieder an, bis wir im besten Fall selbst signalisieren: bitte auswechseln! Im schlimmsten Fall wechselt und das Leben plötzlich aber folgerichtig „einfach aus“. Vermutlich in irgendeine Klinik.

Im Leben bezieht sich diese Unkenntnis auf die großen geistigen Gesetze der Einheit, der Polarität und der Resonanz.

In der Regel tun wir geistige Gesetze als Humbug ab, als unwissenschaftlich. Das haben wir doch hinter uns, den ganzen Aberglauben. Das ist doch nur „esoterisches Zeugs“.

Denn anerkannte Wissenschaft ist nur das, was anerkannte Wissenschaft als wissenschaftlich anerkannt anerkennt!

Heute wird das Wort „esoterisch“ meist nur negativ verwendet, als Synonym für versponnen, weltfremd oder irgendwelche Sekten.

Esoterik (von griechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, ‚dem inneren Bereich zugehörig‘) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zur Exoterik (von ἐξωτερικός „äußerlich“) als allgemein zugänglichem Wissen. Ursprünglich ist der innere, esoterische Kreis für die Wissenden, also der eigentlich wissenschaftliche, und der exoterische äußere Kreis der allgemeinverständliche. Für die praktische Anwendung, für den „unbewussten“ Gebrauch durch die Allgemeinheit. 

Meine Lieblingsesoteriker

Ich selbst benutze z.B. Elektrizität nur exoterisch und bewundere jeden Elektrizitäts-Esoteriker: den Elektriker. Hat er doch Jahre damit verbracht, die Geheimnisse seines Handwerks zu erlernen. Jeder Spezialist, jede Fachkraft, jeder ausgezeichnete Handwerker ist ein Esoteriker. Hoffentlich!

Hurra, die Unternehmensberater sind da!

Heute erleben wir allenthalben, wie Exoteriker einfach mal so ans Werk gehen, ohne sich erst ein klares Verständnis des inneren Wesens von Dingen oder Zusammenhängen errungen zu haben. Es wird munter drauf los angewendet,- denken sie an die ersten Atombombenversuche mit Zuschauertribüne, die Gentechnik, Fracking, oder Produktionsbedingungen allenthalben. Minister haben gelegentlich die Greencard der Esoteriker. Heute Familienminister, morgen Verteidigungsminister, übermorgen Landwirtschaft oder doch lieber für Finanzen?

Okkultisten sind doch alle Freimaurer, oder?

Genauso wird das Wort okkult heute eigentlich nur noch negativ belegt. Okkultismus wird gleichgesetzt mit schwarzer Magie, Verschwörungstheorien und ähnlichem. In der Medizin wird es seiner eigentlichen Bedeutung nach noch angewendet, wenn zur Diagnose z.B. nach „okkultem Blut“ gesucht wird,- okkult heißt einfach verborgen.

Ein Okkultist ist also einfach ein Forscher und Kenner der (zunächst) verborgenen Gesetze und Gesetzmäßigkeiten. Er gehört dem inneren (esoterischen) Kreis an und wendet sein Wissen und Können in der Außenwelt (exoterisch) an.

Mein Steuerberater! Ich wusste es!

Folgerichtig dürften in Deutschland die größten Okkultisten wohl die Steuerberater sein, und die größten Exoteriker diejenigen, die sich diesen Gesetzeswirrwarr ausgedacht haben.

Werde, der du bist.

Es ist die Freiheit des Einzelnen, nach immer größerer Bewusstheit zu streben. Sich auf den Weg zu machen, ein Magister Ludum zu werden. Gibt es ein schöneres Ziel als „spielend spielerisch“ die persönliche Meisterschaft zu verwirklichen?

Menschen mit großer Verantwortung im Beruf, (deswegen sind wir doch alle Manager, mal mehr, mal weniger) sollten einen hohen Anspruch an das Leben stellen. Denn das Leben ist kein Kampf ums Dasein, sondern ein geheimnisvolles und weisheitsvolles Spiel, bei dem am Ende im besten Fall nicht einer gewinnt, sondern alle. Spieler und Publikum. Das nennt man Kooperation. Gemeinschaft. Spielfreude. Spielwitz. Fairplay. Ein Jahrhundertspiel. Ergänzen sie bitte die Aufzählung.

Denn wir sehen uns alle wieder, ständig. Auf der einen Erde. In dem einen Spiel.